Anmerkungen zur Profil-Morgenpost

In einer Profil-Morgenpost hat Redakteur Gernot Bauer wieder einmal gegen den Föderalismus und die Bundesländer gelästert. In der Folge die Antwort in Form eines Leserbriefes ...

Profil-Morgenpost

Sehr geehrter Herr Gernot Bauer!

Ihre Rentner-Beschimpfung ist überholt, weil nur noch wenige leben, die nach Ihren Worten „dazu beigetragen haben, dass Europa vor 75 Jahren in Trümmer gefallen ist.“ 

Ja, ich akzeptiere auch Ihre Meinung, dass der Staat – also wir alle – solidarisch sein soll und die Älteren auch an die Jüngeren denken sollen, wie auch umgekehrt. Bis hierher geht es in Ihrer Profil-Morgenpost von heute nämlich immer um Geld, Steuern, Abgaben, Zuschüsse usw. Ich könnte auch Ihre am Föderalismus festgemachte Bundesländerkritik verstehen, wenn Sie mit Zahlen, Daten und Fakten den Finanzausgleich zugunsten der Republik und zum Nachteil der Länder verändern wollen. Darüber kann man durchaus diskutieren, wenn man mit dem sauer verdienten Geld des Steuerzahlers Aufgaben eher zentral von Wien aus anstatt näher beim Bürger bzw. Bürgerin in den Ländern und Gemeinden lösen will.

Dass Sie als Journalist eines Nachrichtenmagazins mit Sitz in Wien den bevorstehenden Tag des Heiligen Martin aber dafür verwenden und Ihre Bundesländerkritik an den Landespatronen festmachen, empfinde ich als Oberösterreicher eine völlig unverständliche und zentralistische Zumutung. Jedes Bundesland hat seine eigene Entwicklung, Tradition und Eigenart. Jedes Bundesland hat seine eigene wechselvolle Kultur und oft schicksalshafte Geschichte, die sich unter anderem auch in der Ernennung von Landespatronen definiert hat. 

Zur Erinnerung: In den bevorstehenden Novembertagen ist mit dem Martini-Tag der Tag des burgenländischen Landespatrons, mit dem Tag des Hl. Leopold ein Festtag des NÖ und OÖ Landespatron, sondern auch der 25. November, an dem vor 100 Jahren die Bundesländer ihren Betritt zur Republik Österreich erklärt haben. Damit wird auch verständlich, dass die Bundesländer das Element der Kontinuität und der Tradition sind und die Republik eher ein Kunst-Produkt aus dem „politikwissenschaftlichen Laboratorium“ ist. Der Bundesstaat, die Republik Österreich, ist uns trotzdem wertvoll, wichtig und als Steuerzahler auch teuer.

Als LandesbürgerInnen bekennen wir uns dazu. Aber wir verlangen im Gegenzug von den Zentralisten in der Politik, in den Verbänden, Organisationen und Medien auch Verständnis und Toleranz gegenüber unseren landesspezifischen Traditionen, Gebräuchen, Eigenarten und unserer Identität. Dazu zählen beispielsweise unser Landeswappen, die Landesfahne und unsere Landespatrone, die wir feiern, die uns schützen, die wir schätzen, mit denen wir uns verbunden fühlen. In OÖ. ist das auch der Hl. Florian, der auch Schutzpatron aller Feuerwehren in Österreich ist. 

Eines sei den Zentralisten, die mit der Kritik an den Landespatronen eigentlich die Länder meinen, ins Stammbuch geschrieben: auch die Kosten-Nutzen-Rechnung spricht für die Landespatrone, weil sie ein vielfaches dessen an Landesbewusstsein und Traditionspflege und gesellschaftlichen Zusammenhalt bringen, als sie Aufwand verursachen.

Mit besten Grüßen aus Oberösterreich, Prof. Gottfried Kneifel



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